Venedig, die berühmte Lagunenstadt,
hat über die Jahrhunderte unermessliche
Reichtümer angehäuft. Heute ist sie
eine Stadt mit vielen Gesichtern,
die einen nicht mehr loslässt, hat
man sie einmal gesehen. Venedig ist
eine Welt für sich – eine Welt, die
oft wie ein Traum wirkt und dennoch
tiefe Eindrücke hinterlässt. Die Kunst
eines Carpaccio, Bellini, Giorgione
und Tizian, eines Tintoretto und Veronese,
eines Tiepolo und Guardi leben außerhalb
der Museen weiter: im Farbenspiel
des Wassers und der Paläste, in den
Säulenhallen und Loggien, in den Kaminen
auf den Dächern, in den Skulpturen
auf Brücken und Straßen. Allgegenwärtig
und deutlich sind die Spuren der Geschichte.
Sie verkünden das Epos einer Stadt,
die dem Wasser abgerungen und später
dank dem Seehandel im Schatten von
Byzanz groß wurde; das Epos einer
aristokratischen Republik, die im
4.–6. Jh. berühmt wurde für ihre Kunst,
ihre Politik und Kultur; und das Epos
eines langsam verfallenden Venedigs,
das sich allmählich seinem Ende als
Staat (1797) näherte um dann in ein
neues Leben voller neuer Probleme
einzutauchen. Diese Aspekte sind in
Venedig allgegenwärtig. Aus diesem
Grund ist ein Besuch der Lagunenstadt,
wie kurz er auch sein mag, immer lohnend.
Zu Fuß...
Der Canal Grande
Was in anderen italienischen Städten der “Corso”
ist, ist in Venedig der Canal Grande. Die
herrliche Wasserstraße, die vom Bahnhof bis
zur Punta della Dogana führt, wird von insgesamt
200 Palästen gesäumt. Wer hier entlangkommt,
kann eine Menge über die Geschichte der alten
Seerepublik erfahren. Man kann sich von einem
Gondoliere über den Canal Grande rudern lassen,
oder aber eine Fahrt mit dem Motoscafo oder
dem Vaporetto machen – beides wird dem Besucher
in guter Erinnerung bleiben.
Der Markusplatz
Der Markusplatz ist der gesellschaftliche,
politische, religiöse und touristische Mittelpunkt
der Stadt. Er zählt zu den größten Plätzen
der Welt. Mit Sicherheit ist er jedoch der
einzige, der gelegentlich vom Meer überflutet
wird. Von der Basilika S. Marco einmal abgesehen,
geht seine heutige Anlage auf den Architekten
Jacopo Sansovino und damit auf das 16. Jh.
zurück. Die ersten Gebäude, darunter S. Teodoro
auf der Piazzetta dei Leoni aus dem 6. Jh.,
errichtete man hier zu Beginn der berühmten
Dogenrepublik. Größere Veränderungen wurden
jedoch erst im 9. Jh. vorgenommen, als sich
das Zentrum der politischen Macht vom Rivo
Alto (Rialto, eigentlich “höher gelegenes
Ufer”) hierher verlagerte: Zu dieser Zeit
begann man mit dem Bau des Dogenpalasts und
der Basilika S. Marco.
Das Sestiere Dorsoduro
Dieses Viertel, zu dem auch die in das S.
Marco-Becken ragende Punta della Dogana gehört,
wird im Norden vom Canal Grande und im Süden
vom Canale della Giudecca begrenzt. Dorsoduro
ist eine Hochburg der Kultur: Hier liegen
nicht nur die Galleria dell’ Accademia, die
Sammlung Peggy Guggenheim, die Ca’ Rezzonico
mit dem Museo del Settecento Veneziano, sondern
auch verschiedene Fakultäten der Universität.
Wir schlendern den Kai der Zattere entlang
und bummeln durch die kleinen Gassen, die
überraschende Blicke auf kleinere Plätze oder
größere Kanäle freigeben.
Das Sestiere S. Polo
Die Gegend um die Rialto-Brücke war von jeher
das Zentrum der Handelsstadt Venedig. Hier
beginnt unser Spaziergang durch das Sestiere
S. Polo. Das Viertel liegt an der nördlichen
Achse des Canal Grande und wird von der Kirche
S. Croce überragt. Durch das Gassengewirr
der “calli” und “rughe” gelangen wir über
Brücken und kleine Plätze zur Frari-Kirche.
Atemberaubende Kunstschätze sind dort zu sehen,
genauso wie in der Scuola Grande di S. Rocco
und der Scuola Grande di S. Giovanni Evangelista.
Vom Sestiere Castello nach Cannaregio
Diesmal unternehmen wir einen Streifzug durch
die wechselvolle Geschichte Venedigs. Im östlichen
Teil von Castello liegt der soziale Mittelpunkt
des Viertels, der Campo dei Ss. Giovanni e
Paolo, auf dem ein berühmtes Reiterdenkmal
steht. Von dort aus geht es weiter zu den
Renaissancekirchen S. Maria dei Miracoli und
S. Giovanni Crisostomo bis nach Cannaregio.
Dieses Viertel im Nordwesten Venedigs erstreckt
sich zwischen dem Canal Grande, der Lagune
und dem Getto: Dorthin hatte der Große Rat
die jüdische Bevölkerung Venedigs im 16. Jh.
verbannt.
Von der Riva degli Schiavoni zur Chiesa del
Redentore
Diese Route beginnt im Sestiere Castello und
führt uns auf die Inseln S. Giorgio Maggiore
und Giudecca. Sie sind, wenn man so will,
der authentischste Teil Venedigs: Hier zeigen
sich der kosmopolitische Charakter der großen
Handelsstadt, ihre Verbindungen zum östlichen
Mittelmeerraum und die einstige Seemacht.
Unser Spaziergang endet hinter dem Becken
von S. Marco, wo man die architektonischen
Meisterwerke des Andrea Palladio besichtigen
kann.