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MCC: Deutsche Politik redete Kohle jahrzehntelang schn

Dass der Treibhauseffekt die Lebensgrundlagen der Menschheit gefhrdet, ist keine neue Erkenntnis: 1979 gab es die erste Weltklimakonferenz, 1986 lie ein Spiegel-Titelbild den Klner Dom im Meer versinken, und bereits 1993 ging Deutschland beim Kampf gegen die Erderhitzung die ersten Verpflichtungen ein, mit der Ratifizierung der Uno-Klimarahmenkonvention. Doch die mit Abstand klimaschdlichste Form der Stromerzeugung, das Verfeuern von Kohle, galt noch bis Mitte der 2000er-Jahre in der deutschen Politik als opportun. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Federfhrung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change).

Die Studie wertet mit Big-Data-Technologie smtliche 870.000 Bundestagsreden von 1949 bis 2019 aus. Sie wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Energy Research & Social Science publiziert. Es ist bemerkenswert, dass das Thema Klimaschutz in Zusammenhang mit Kohle in Deutschland erst nach dem Ende der Koalition von Sozialdemokraten und Grnen hochkam, sagt Finn Mller-Hansen, Forscher in der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung und Leitautor der Studie. Die rot-grnen Bundesregierungen amtierten von 1998 bis 2005. Der Atomausstieg als zentrales energiepolitische Projekt hatte in dieser Zeit Prioritt, und vergleichsweise effiziente neue Kohlemeiler galten als vielversprechende Brckentechnologie. Unsere Analyse liefert die Erklrung dafr, warum andere Lnder, etwa Grobritannien, beim Kohleausstieg schon viel weiter sind als Deutschland.

Um auszumessen, wie sich die Bewertung der Kohleverstromung genau verndert hat, nutzte das Forschungsteam die Methode des Topic Modeling. Damit knnen computergesttzt groe Textmengen auf ihre semantischen Strukturen hin analysiert und Querverbindungen ermittelt werden. Im Ergebnis zeigt sich die Karriere der Kohle in den letzten sieben Jahrzehnten: In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg war sie zunchst Symbol des Fortschrittsversprechens, nach der ersten lkrise 1973 dann Garant von Energiesicherheit, in den 1980er-Jahren wurde sie dann erstmals auch mit kritischem Unterton als Ursache fr Luftverschmutzung und Sauren Regen benannt und erst seit 15 Jahren als ein Kernproblem im Klimaschutz. Auch die spezifische Bewertung dieses Energietrgers in den unterschiedlichen politischen Parteien sowie in den einzelnen Regionen wird in der Studie przise abgebildet.

Auch jenseits dieser konkrete Fragestellung fr Deutschland, so betont MCC-Wissenschaftler Mller-Hansen, bietet der neuartige Forschungsansatz Potenzial: Fr erfolgreichen Klimaschutz ist es wichtig, ein Gespr fr das Framing in energiepolitischen Debatten zu entwickeln also in welche Zusammenhnge zum Beispiel eine bestimmte Technik oder eine bestimmte Manahme eingebettet ist und wie sich dies ber die Zeit verndert. Solche politischen Festlegungen seien es, die in vielen Lndern eine ambitioniertere Klimapolitik verhindern. Unsere Studie ist ein Beispiel dafr, wie man diese Framings analytisch packen und Reformpolitik auf eine belastbare kommunikative Grundlage stellen kann.

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